Die ersten aus unserer Gruppe erreichen den Campingplatz Buczyniec. Schon am Eingang, direkt an der Schranke, werden wir von einer kleinen Katze begrüßt. Neugierig sitzt sie dort, als würde sie auf die Neuankömmlinge warten, und schnurrt zufrieden, sobald jemand aussteigt und die Hand hinhält. Fast wirkt es so, als gehöre sie offiziell zum Empfangsteam des Platzes.

Am Tag zuvor hatte es ordentlich geregnet, sodass die meisten Wiesen aufgeweicht sind. Und wie es so kommt, passiert das kleine Unglück: Eine unserer Camperdamen fährt sich im matschigen Untergrund fest. Der Schreck ist groß – vor allem, weil der Abschlepphaken fehlt. Zum Glück reagiert der Campingplatzbesitzer routiniert. Mit seinem Traktor kommt er sofort angebrummt, es ist schließlich nicht das erste Mal in diesem Sommer, dass ein Wohnmobil aus der feuchten Wiese gezogen werden muss. Wir sind erleichtert und beschließen, uns einen festeren, stabileren Untergrund für die Nacht zu suchen.

Was diesen Campingplatz besonders macht: Er liegt direkt am berühmten Rollberg von Buczyniec, einem technischen Wunderwerk des 19. Jahrhunderts. Zuerst sehen wir nichts, die Schienen liegen still und verlassen im Gras. Doch kaum sind wir wieder bei unseren Autos, meldet eine unserer Damen aufgeregt: „Ein Boot kommt!“ Also eilen wir alle zurück und stellen uns am Rollberg auf.

Und tatsächlich: Nicht eins, gleich drei Boote kommen nacheinander! Es ist ein fast surrealer Anblick – die Schiffe verlassen das Wasser, gleiten auf einer Art Wagen über Schienen über die Wiese und verschwinden schließlich wieder im Kanal. Angetrieben wird das Ganze allein durch Wasserkraft: Ein ausgeklügeltes System aus Seilen, Winden und Rädern hebt die Boote auf den Landwagen und lässt sie sanft den Hang hinauf- oder hinunterrollen. Der Buczyniec-Rollberg ist übrigens der längste der fünf Rollberge am Oberländischen Kanal (Elbląg-Kanal). Er überwindet knapp 20 Meter Höhenunterschied – eine geniale Lösung, da hier kein herkömmliches Schleusensystem möglich war. Schon seit 1860 funktioniert diese Technik fast unverändert, und noch heute ist es weltweit einzigartig, dass Schiffe auf diese Weise über Land transportiert werden.

Wir sind fasziniert und bleiben eine ganze Weile stehen, beobachten das Rollen, Knarzen und Rattern, und stellen uns vor, wie die Ingenieure damals die Idee für dieses Wunderwerk hatten. Es ist ein bisschen, als würde Geschichte direkt vor unseren Augen lebendig.

Als es schließlich dunkel wird, kehrt Ruhe ein. Wir machen es uns am Lagerfeuer gemütlich, mit Knisterflammen, Plaudereien und Gelächter. Doch irgendwann können auch unsere warmen Jacken die Kälte nicht mehr aufhalten, und leichter Nieselregen treibt uns schließlich in die Wohnmobile zurück. Ein spannender, überraschender Tag am Rollberg geht zu Ende.